Veränderungen in der Wertschöpfungskette

Kernerkenntnisse

  1. Logistikziele mit höchster Priorität sind die Erfüllung von Kundenanforderungen, Lieferzuverlässigkeit (bzw. Termintreue) und Logistikkosten.
  2. Die Veränderung der Vertriebswege in Richtung Plattformen und Portale führt zu kleinteiligeren und kundenindividuelleren Logistikdienstleistungen.
  3. Die Fähigkeit zur Ankopplung an durchgängige IT-Systeme wird zur Überlebensfrage für Lieferanten.
  4. Datenbedarfe in der Supply Chain werden heute noch häufig nicht befriedigt (bspw. bei 61 % der Unternehmen für Materialflussstörungen), aber eine zunehmende Bereitschaft zum Teilen der Daten ist vielfach erkennbar.
  5. Die Unternehmen erwarten überwiegend, dass Bestands-, Lagerhaltungs- und Verwaltungskosten durch die Digitalisierung sinken. Der Handel erwartet jedoch hierdurch auch Kostensteigerungen bei Verpackung und Retouren.

 

Logistikziele in der Wertschöpfungskette

Primäres Logistikziel im Handel und im Verarbeitenden Gewerbe ist die Termintreue. Logistikdienstleister legen ihren Fokus oftmals mehr auf die Erfüllung der Anforderungen ihrer Kunden.

Veränderungen in der Wertschöpfungskette werden immer stärker vom Kunden getrieben. Zuverlässige und individuell konzipierte Logistikservices sowie Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen rücken in den Vordergrund. Die resultierende Komplexität kann durch (digitale) Technologien besser beherrscht werden und eine – für alle Beteiligten vorteilhafte – Transparenz in der Supply Chain herstellen.

Insbesondere ergeben sich aus den kundenindividuellen Anforderungen Veränderungen im Hinblick auf den Umfang und die Art der Warenströme, den interorganisationalen Datenaustauch und die Zusammensetzung der Wertschöpfungskette.

Individualisierung der Warenströme...

Omni Channel-Konzepte sind im Handel angekommen, online Vertriebskanäle werden weiter ausgebaut. Dieser Mix wird immer wichtiger, um im Markt präsent zu bleiben und katalysiert so die Veränderungen in der Distributionslogistik, welche nach Verfügbarkeit und Kostenminimierung strebt.

Logistikdienstleister vertrauen auf die enge Kundenbindung, das Vertriebsgeschäft ist sehr stark durch den stationären und direkten Kontakt geprägt. Dem Wunsch der Kunden nach kurzen Lieferzeiten und individuellen Anlieferungsmodi – sowohl im B2C- als auch im B2B-Umfeld – folgen dezentrale Lagerkonzepte und damit verbundene infrastrukturelle Anpassungen.

Die angefragten Leistungen werden grundsätzlich kleinteiliger und kundenindividueller. Dieser Trend fordert im Verarbeitenden Gewerbe Mass Customization-Lösungen und eine Anpassung bestehender Systeme, die eine Fertigung in Losgröße 1 erlauben. In einer intelligenten Fabrik der Zukunft kommunizieren flexible, modulare cyberphysische Systeme miteinander und ermöglichen auch ohne große Rüstaufwände die stetige Anpassung der Produktion und bedienen damit die kundenindividuellen Wünsche. Dies zieht jedoch eine ganzheitliche Anpassung der IT-Systeme und des internen sowie des Supply Chain-übergreifenden logistischen Systems nach sich.

...erfordert eine weitere Fokussierung auf Customer Centricity

Interaktive Übersicht: Customer Centricity

Datengetriebene Steuerung der Wertschöpfungskette...

Im Zuge der Digitalisierung werden noch mehr Informationen als bislang erfasst und verarbeitet, sodass dem Informationsmanagement, insbesondere über Unternehmensgrenzen hinaus, eine noch wichtigere Rolle zufällt. 79 % der Befragten sehen eine transparente Supply Chain als wichtig an, Umsetzungsschwierigkeiten bestehen jedoch nach wie vor.

Bereits umfassend werden beispielsweise Transportdaten oder Wareneingangsdaten geteilt. Unternehmen erkennen jedoch einen anwachsenden Bedarf an dem Austausch einer Vielzahl an Daten, wie beispielweise Bestandsdaten, Bedarfsprognosen oder aber Daten über Materialflussstörungen. Diese helfen, den Markt und die abgeleiteten Bedarfe entlang der gesamten Supply Chain zu analysieren und situationsgerechte Maßnahmen in Echtzeit abzuleiten. So können der Service Level verbessert und durch Intransparenz bedingte Sicherheitsbestände in allen Stufen der Wertschöpfungskette reduziert werden.

Trotz einer regen Diskussion um Fragen nach dem Datenschutz und der Datensicherheit, lassen die Unternehmen zunehmend von einem starren Sicherheitsdenken ab und erkennen sowohl die Notwendigkeit als auch das Potenzial des Teilens von Informationen entlang der Wertschöpfungskette. Der tatsächliche Austausch von Daten stellt wiederum eine Herausforderung einer ganz anderen Dimension dar. Oftmals scheitern Unternehmen, da die gewünschten Daten gar nicht vorhanden, Schnittstellen nicht definiert oder aber die Qualität und die Integrität der Daten ungenügend sind. Die Fähigkeit zur Ankopplung an durchgängige IT-Systeme wird zur Überlebensfrage für viele Akteure.

...erfordert eine weitere Fokussierung auf Realtime Visibility

Interaktive Übersicht: Realtime Visibility

Neuorganisation von Wertschöpfungsketten...

Zu wenige Unternehmen setzen sich ernsthaft mit der Frage auseinander, wie sich die Zusammenarbeit und Zusammensetzung der Akteure in der Supply Chain durch die Digitalisierung verändern werden. Jedes einzelne Unternehmen ist gefordert, eine Neubewertung und -ausrichtung seiner eigenen Rolle innerhalb der Wertschöpfungskette vorzunehmen.

Im Zeitalter der Digitalisierung ist Schnelligkeit wichtiger denn je. Für Unternehmen erwächst hieraus die Anforderung, ein agiles Supply Chain-Netzwerk aufzubauen, welches eine kontinuierliche Beobachtung der Entwicklungen erlaubt und eine schnelle Anpassung in diesem volatilen Umfeld ermöglicht.

Warenströme werden wieder stärker regionalisiert, Fabriken näher am Markt errichtet. Prädiktive Analysen eröffnen Möglichkeiten, Transport-, Bestands- und Lagerhaltungskosten zu senken. Der Handel erwartet durch die Digitalisierung jedoch auch Kostensteigerungen bei Verpackung und Retouren.

(Digitale) Mehrwertleistungen werden zunehmen – Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, wie diese verteilt sein werden. Plattformanbieter dringen zunehmend auf den Markt, Einkäufer werden flexibler und aufgrund vielfältiger Alternativen auf dem Spotmarkt, drohen viele Unternehmen Aufträge zu verlieren – dies gilt sowohl für Logistikdienstleister als auch für Zulieferer. Die zunehmende Digitalisierung hilft bei der Komplexitätsreduktion und ermöglicht nun wieder eine bessere Steuerbarkeit der Prozesse. Dies führt auch dazu, dass wissensintensiven Aufgaben wieder Inhouse übernommen werden.

...erfordert eine weitere Fokussierung auf agile Supply Netzwerke

Interaktive Übersicht: Agile Supply Netzwerke